Zuordnung zum Forschungsschwerpunkt: Gegenwärtige Transformationsprozesse: Identität, Demokratie, Globalisierung und Gerechtigkeit
Dauer: 2003 –
Dieses interdisziplinäre Projekt soll durch diverse Teilprojekte zunehmend einen zentralen Platz in der Forschungsarbeit des Instituts einnehmen. Es wird verschiedene Wissensbereiche wie Philosophie, Soziologie, Politologie, Recht und Ökonomie umfassen und dementsprechend in verschiedene Teilprojekte aufgeteilt sein.
1.: Integrales Denken als Basis der Integrationsforschung und der Gestaltung einer integralen europäischen Gemeinschaft
1.1.: Zur Geschichte und Aktualität des integralen Denkens von Leo Gabriel
Dauer: 2003 – 2004
Projektleitung und Koordination: Yvanka B. Raynova, Susanne Moser
Wissenschaftliche MitarbeiterInnen: Yvanka B. Raynova, Susanne Moser, Peter Kampits, Augustinus K. Wucherer-Huldenfeld, Günther Pöltner, Sigrid Pöllinger, Leo Gabriel Jr., Roland Faber, Rolf Kühn, Werner Gabriel, Karl Baier, Arno Böhler, Jürgen Trinks, Laurie Calhoun, Karen Pauly
Kooperationspartner: Forschungsstelle und Dokumentationszentrum für Österreichische Philosophie, Institut für Philosophie an der Universität Wien, Universitätszentrum für Friedensforschung (Wien)
Schlagworte: Leo Gabriel, österreichische Philosophie, Werttheorie, Phänomenologie, Existenzphilosophie, Hermeneutik, Postmodernismus, integrales Denken, Logik, Erkenntnistheorie, Rationalismus, Irrationalismus, Religionsphilosophie, soziale und politische Philosophie, europäische Erweiterung, Integration, Desintegration, Konsens, Teil, Ganzes, Identität, Differenz
Leo Gabriels origineller Entwurf eines integralen Denkens, dessen Grundgedanke der des integralen Ganzen ist, erweist sich aus der Perspektive der europäischen Integrationsforschung, die sich in den letzten fünfzehn Jahren zunehmend entwickelt hat, besonders aktuell. Unter integralem Ganzen verstand Gabriel "eine die Teile integrierende Ganzheit", bei der die Teile ihre Eigenart bewahren und sich zugleich in bereichender Verbundenheit entfalten. Dieses Denken war sich jedoch auch der Differenzen, der Brüche und Paradoxe, die unser Leben durchdringen, bewusst. Die Themen von Teil und Ganzem, Identität und Differenz, Anerkennung bzw. Integration und Ausschluss, die Gabriel anspricht, sind in den 80ern Jahren mit der postmodernen Philosophie und seit den 90ern mit den Transformationsprozessen in Osteuropa und der Neugestaltung der Europäischen Union wieder ins Zentrum gerückt.
Zum hundertsten Geburtstag von Leo Gabriel hat das Institut für Axiologische Forschungen einen Sammelband unter dem Titel Das integrale und das gebrochene Ganze zur Veröffentlichung vorbereitet. Der Band bietet eine Neulektüre des facettenreichen Werkes von Leo Gabriel aus heutiger Sicht. Er umfasst vier Teile. Im ersten, "Leo Gabriel: Aus dem Nachlass", werden unveröffentlichte Manuskripte und weniger bekannte Aufsätze von Leo Gabriel vorgestellt. Im zweiten Teil, "Integrales Denken: Geschichte und Aktualität" werden die Auffassungen Gabriels in Bezug zur Existenzphilosophie, zur Hermeneutik, zum postmodernen Denken wie auch zur Entwicklung der geistigen Gestalten Europas untersucht. Im dritten Teil, "Phänomenologie und Religionsphilosophie", werden Aspekte des Integralen Denkens im phänomenologisch-religiösen Kontext interpretiert. Der vierte und letzte Teil, "Im Irrgarten der Existenz und des Denkens", beschäftigt sich mit Problemen des A-logischen, wie z. B. der Dummheit, den Fallstricken der Fantasie, dem Irrgarten der Affekte und Gefühle. Im Anhang wird eine ausgewählte Bibliographie publiziert.
1.2.: Integration, Recognition and Responsibility:
Integral Perspectives, Problems and methodological Accounts in Contemporary European Thought
Projektleitung und Koordination: Yvanka B. Raynova, Susanne Moser
Kooperationspartner: Abteilung für Europäische Gegenwartsphilosophie am Institut für Philosophische Forschungen der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften
Dauer: 2005-2007
Das Forschungsprojekt setzt sich zum Ziel aufzuzeigen, inwiefern die Anerekennung von Gleihheit und Differenz grundlegend für die gegenwärtigen europäischen Integartionsprozesse ist und welche soziale und wissenschaftliche Verantwortlichkeiten dadurch entstehen.
Die Forschungsergebnisse sollen im Rahmen eines Workshops debattiert und abschliessend auf Deutsch und Bulgarisch publiziert werden.
2.: Grundwerte und Grundrechte im erweiterten Europa
Projektleitung und Koordination: Yvanka B. Raynova, Susanne Moser
Dauer: 2005-2010
Kooperationspartner: Universität Sofia, Italienisches Kulturinstitut Sofia, Goethe-Institut Sofia, Austrian Science and Liaison Office Sofia (ASO)
Worin besteht der Unterschied zwischen Grundwerte und Grundrechte? Was sind überhaupt Werte und vor allem was versteht man eigentlich unter den sogenannten "europäischen Werten"? Welche Formen und Funktionen haben die Grundwerte und die Grundrechte im heutigen Europa? Sind sie bindend und identitätsstiftend für die europäischen Staaten und deren Bürgern oder führen sie eher zu Kollisionen? Soll Europa nur eine Wertegemeinschaft oder nur eine Rechtsordnung sein, oder kann sie auch beides zugleich in sich verkörpern?
Im Forschungsprojekt werden all diese Fragen und insbesondere die aktuelle Kontroverse, ob Europa eine Wertegemeinschaft oder eine Rechtsordnung sein soll, ausführlich debattiert.
Die internationale Konferenz zum Thema "Rights and values in Expanding Europe. A Mutual Enrichment Through Different Traditions" fand im Juni 2006 an der Universität Sofia statt und präsentierte die ersten Forschungsergebnisse. Diese werden in Form von einem Sammelband in 2007 auf Englisch erscheinen.
3. Philosophy, Power, Gender: The Metamorphosis of the 'Eastern European' Discourse
Konzept und Durchführung: Yvanka B. Raynova
Dauer: 2002-2010
Kooperationspartner: Institut für Philosophie an der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften
Im ersten Teil, der zuletzt in Form einer Monographie erscheinen soll, werden die Entwicklungen der Philosophie und der philosophischen Gender Studies vor und nach der Wende in Osteuropa analysiert. Anhand von führenden Debatten wird aufgezeigt wie der philosophische Diskurs sowohl vor als auch nach 1989 verschiedenen Machtmechanismen ausgesetzt war, denen er als Legitimation "gedient" oder, was jedoch seltener vorkam, Widerstand geleistet hat. Anstatt ein Ende zu finden, wurde der Machtkampf nach 1989 noch zusätzlich verschärft, indem er die Form eines Feldzugs gegen die Philosophie annahm, wobei letzterer sowohl von politischen als auch von wissenschaftlichen Instanzen initiiert wurde. Abschließend erörtert die Autorin die Spannungen und die Kulturkonflikte, welche zur Enttäuschung vieler ForscherInnen über den "Ost-West-Dialog" beigetragen haben. Frustrierende Erfahrungen haben in Osteuropa sogar bei "westlich" und "feministisch" gestimmten WissenschafterInnen zu Distanzierungen geführt. Die Untersuchung thematisiert in diesem letzten Teil die negativen Erfahrungen, bzw. die entstellten Formen dieses "Dialogs", seine Konsequenzen, die Bedingungen und Perspektiven einer konstruktiven Kooperation angesichts der Erweiterung der Europäischen Union und die Rolle der Philosophie und der Werteforschung bei der Neugestaltung Europas.
Der zweite Teil - "Bulgarian Philosophical Thought in European Context" - bietet einen historischen Überblick über den geistigen Austausch bulgarischer und europäischer Denker und Schulen im 19. und 20. Jahrhundert. Die Forschungsarbeiten werden zusammen mit Fellows vom Department für Philosophiegeschichte des Instituts für Philosophie an der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften durchgeführt. Die Forschungsergebnisse werden in Oktober 2007 an einem Workshop am Institut für Philosophie der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften präsentiert und in 2008 in der Bücherreihe des Instituts für Axiologische Forschungen auf Englisch veröffentlicht werden.
4. Anerkennung und Gerechtigkeit: Zeitgenössische Debatten
Konzept und Durchführung: Susanne Moser
Dauer: 2004-2007
Das Problem der Anerkennung der Geschlechterdifferenz ist längst kein Problem mehr der feministischen Theorie allein, sondern hat gemeinsam mit Fragen der Anerkennung von ethnischen, rassischen und sexuellen Minderheiten das Interesse der Politischen Philosophie im allgemeinen geweckt, wobei nunmehr versucht wird, ein neues Paradigma der Gerechtigkeit zu entwickeln, bei dem die Frage der Anerkennung ins Zentrum rückt. „Anerkennung ist zu einem Schlüsselbegriff unserer Zeit geworden. Eine ehrwürdige Kategorie der Hegelschen Philosophie, wieder zum Leben erweckt durch die politische Theorie, scheint dieser Begriff heute von zentraler Bedeutung für die Analyse von Kämpfen um Identität und Differenz zu sein“, betonen Nancy Fraser und Axel Honneth zu Beginn ihres 2003 erschienen Buches Umverteilung oder Anerkennung.
Das Ziel des Projekts ist es, die historische Entwicklung der Anerkennungsproblematik im Detail nachzuvollziehen, diese mit den zeitgenössischen Anerkennungstheorien in Verbindung zu setzen und nicht zuletzt anhand der Auseinandersetzung Honneth – Fraser die Frage zu stellen, inwieweit egalitäre Verteilungspolitik mit Anerkennung von Differenz in Einklang gebracht werden kann und soll.
Übersetzung und Europäisierung: Zwischen Integration und Dominanz
Dauer: 2007-
Projektleitung: Yvanka B. Raynova
Kooperationspartner: Abteilung für Europäische Gegenwartsphilosophie am Institut für Philosophische Forschungen der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften, Société Bulgare de Philosophie et de Culture de Langue Française, TransLat u.a.
Die Prozesse der Europäisierung und der europäischen Integration im kulturellen und wissenschaftlichen Bereich haben in den letzten 15 Jahren eine ziemlich einseitige Entwicklung erfahren, nämlich die Integration "westlicher" Diskurse in die "osteuropäischen" ohne wirkliche Einbindung der letzteren in das wissenschaftliche und kulturelle Leben Westeuropas. Die Tatsache, dass die wissenschaftlichen Beiträge der Forscher und Forscherinnen aus den postkommunistischen Ländern immer noch schwer Zugang im "westeuropäischen" Raum finden, hat sowohl objektive (sprachliche Barrieren, wenige Publikationsmöglichkeiten in "westlichen" Medien und Verlagen, ungenügender Austausch, mangelnde finanzielle Mittel) als auch subjektive Gründe (Mangel an Interesse und Vorurteile gegenüber den "osteuropäischen" Wissenschaftlern und Wissenschafterinnen).
Das Projekt setzt sich Folgendes zum Ziel:
a)Das Umdenken der Europäisierung und der europäischen Integration im wissenschaftlichen und kulturellen Bereich aus dem Blickwinkel der Übersetzungsarbeiten in den letzten 15 Jahren und, umgekehrt, die Neuinterpretation des ethischen und sozialpolitischen "Paradigmas der Übersetzung" (Ricœur) anhand der Europäisierung;
b)Die Analyse der Formen und Hintergründe bestimmter Wertekonflikte und Dominanzverhältnisse im Zuge der Europäisierung in den postkommunistischen Ländern, insbesondere, jedoch nicht ausschließlich, am Beispiel Bulgariens;
c)Die Ausarbeitung der soziokulturellen Bedingungen und Wege zur Überwindung der Asymmetrien in den Übersetzungsarbeiten, im wissenschaftlichen und kulturellen Austausch sowie bestimmter Tendenzen diskursiver und axiologischer Dominanz.
ABGESCLOSSENE FORSCHUNGSPROJEKTE
Die Philosophie Simone de Beauvoirs als Anstoß für neue
Perspektiven in Philosophie, Feminismus und Werttheorie
Projektleitung: Susanne Moser
Wissenschaftliche MitarbeiterInnen: Yvanka B. Raynova, Susanne Moser, Françoise Rétif, Diane Lamoureux, Marie Couillard, Sandrine Dauphin, Debra Bergoffen, Nancy Bauer, Sonia Kruks, Kristana Arp, Karen Vintges, Susan Bainbrigge, Elaine Stavro-Pearce, María Luisa Femenías, Brigitte Weisshaupt, Claudia Gather
Zuordnung zum Forschungsschwerpunkt: Wertewandel im Geschlechterverhältnis
Kooperationspartner: Renner Institut, Institut français de Vienne, Faculté de Sciences Sociales de l'Université d'Ottawa
Das Forschungsprojekt beinhaltet mehrere Teilprojekte, deren Ergebnisse in Form von Monographien und Sammelbänden erscheinen. Einige davon sind schon abgeschlossen.
Jean-Paul Sartre: Werttheorie in philosophisch-anthroplogischem, ethischem und sozialpolitischem Kontext
Projektleitung: Yvanka B. Raynova
Wissenschaftliche MitarbeiterInnen: Michel Rybalka, François Noudelmann, Alfredo Gomez-Muller, Christina Howells, Thomas Flynn, Peter Caws, Peter Kampits, Bernhard Waldenfels, Raul Fornet-Betancourt, Susanne Moser, Erik Vogt u.a.
Zuordnung: Klassische und gegenwärtige Werttheorien
Kooperationspartner: Institut für Philosophie an der Universität Wien, Groupe d'études sartriennes u.a.
Dauer: 2002 – 2006
Ziel des Projkts ist es, die doppelte Reichweite von Sartres Philosophie und Werttheorie hervorzuheben: zum einen in Hinsicht auf die Rolle, die sie zu "seiner" Zeit gespielt haben, zum anderen in Hinsicht auf die Bedeutung für die "unsrige". Aus dieser Perspektive soll, erstens, Sartres Beitrag in seinen kritischen Diskussionen mit Zeitgenossen sowie den Repräsentanten der verschiedensten Strömungen wie Marxismus, Phänomenologie, Psychoanalyse und Strukturalismus erörtert werden, zweitens, die mannigfaltige Rezeption des sartreschen Werks nachvollzogen, und drittens, bestimmte Prämissen seines Denkens, die Lösungsansätze zu aktuellen philosophischen und sozialpolitischen Fragestellungen liefern könnten sichtbar gemacht. Speziell berücksichtigt werden die axiologischen Aspekte seines Werks, wie z.B. die Thematisierung der Freiheit als Grundlage und Ziel der Ethik, das Problem der Anerkennung des Anderen, die Werteproblematik im Kontext der europäischen Erweiterung usw.
Diese Fragen werden im Rahmen einer Interntionalen Konferenz, die Sartres 100. Geburtstag gewidmet ist, debattiert werden. Eine Publikation der Beiträge ist beim Peter Lang Verlag geplant.
Wege der Vermittlung: Der axiologische Beitrag von Paul Ricœur
Projektleitung: Yvanka B. Raynova
Wissenschaftliche MitarbeiterInnen: Yvanka B. Raynova, Domenico Jervolino, Olivier Bertrand, María Cristina Sánchez León, Alex Livingston, Farhang Erfani, Dimitrios E. Akrivoulis, Fred Guyette u. a.
Zuordnung: Klassische und gegenwärtige Werttheorien, Hermeneutik der Religion und Kultur
Kooperationspartner: Istituto Italiano per gli studi filosofici (Neapel)
Dauer: 2002 – 2008
Schlagworte: Paul Ricœur, französische Philosophie der Gegenwart, Phänomenologie, Hermeneutik, Sprachphilosophie, Ethik, Religionsphilosophie, Philosophie der Geschichte, politische Philosophie, Rechtsphilosophie, Werte, Wille, Gut, Böse, Sakral, Profan, Selbst, Andersheit, Transzendenz, Identität, Interpretation, Handeln, Gerechtigkeit, Zivilisation, Kultur.
Das Projekt ist in mehrere Subprojekte geteilt.
Phänomenologie und Axiologie
Leitung: Yvanka B. Raynova
Zuordnung: Klassische und gegenwärtige Werttheorien
Kooperationspartner: Bulgarisches Zentrum für Phänomenologie, Organisation of Phenomenological Organisations, Centrum fenomenologických bádání (Prag), Center for Advanced Research in Phenomenology (Florida)
Dauer: 2002 – 2006
Schlagworte: Philosophie, Phänomenologie, Axiologie, praktische Philosophie, Ethik, Diskursethik, postkoloniale Forschung, Postmodernismus, Franz Brentano, Edmund Husserl, Max Scheler, Martin Heidegger, Jean-Paul Sartre, Jan Patocka, Hans Jonas, Hans-Georg Gadamer, Paul Ricœur, Emanuel Levinas, Jacques Derrida, Werte, Interpretation, Verantwortung
Zu diesem mehrjährigen Projekt gehören 2 Teilprojekte, die sowohl von Arbeitsgruppen, als auch von Einzelpersonen durchgeführt werden:
1. Die Axiologie Franz Brentanos im phänomenologischen Kontext
Konzept und Durchführung: Yvanka B. Raynova
Dauer: 2002 - 2006
Dieses Projekt ist Teil eines breiteren Forschungsvorhabens, das der Entstehung und Weiterentwicklung der phänomenologischen Werttheorien gewidmet ist. Hauptziel des Projektes ist die Analyse des Einflusses von Franz Brentano auf die Entstehung und Entwicklung der phänomenologischen Werttheorien. Es handelt sich dabei um eine hermeneutische Rekonstruktion von Brentanos Wertlehre in Hinblick auf: erstens, ihre Rolle für die damaligen philosophischen Diskussionen, zweitens, ihres direkten oder indirekten Einflusses auf Husserl und die post-husserlsche Weiterentwicklung der phänomenologischen Axiologie, und drittens, die Sichtbarmachung des österreichischen Kontextes der Phänomenologie, der bis jetzt mehr oder weniger im Hintergrund geblieben ist.
2. Philosophie, Interpretation, Verantwortung: Phänomenologische und hermeneutische Perspektiven
Das Projekt wird in Kooperation mit dem Bulgarischen Zentrum für Phänomenologie und dem Department für Europäische Gegenwartsphilosophie des Instituts für Philosophische Forschungen an der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften durchgeführt.
Konzept: Yvanka B. Raynova
Durchführung: Yvanka B. Raynova, Susanne Moser, Peter Kampits, Javier San Martin, Enrique Dussel, Domenico Jervolino, Wolfrat Henkmann, Hans-Peter Krüger, Ludger Hagedorn, Detlef Thiel, Artur Boelderl, Madalina Diaconu, Lucas M. Vosicky, Andrzei Kaniowski, Dimitri Ginev, Dimiter Sashev, George Angelov, Peter Dimitrov u.a.
Dauer: 2004 – 2006
Ziel des Projekts ist es, die Verantwortungsproblematik, die seit Husserl einen zentralen Platz in der Phänomenologie einnimmt, aus der Perspektive der Gegenwart erneut zu thematisieren. Abgesehen von einer Neulektüre der "Klassiker" der Phänomenologie und der Hermeneutik hinsichtlich ihrer verschiedenen Verantwortungskonzepte, sollen auch aktuelle Fragen zur Diskussion kommen: Inwiefern verweist die Philosophie durch die Interpretation auf das denkende und handelnde Subjekt und damit auf Wahl, Engagement und Verantwortung? Ist Interpretation nur "Interpretationssache"? Inwiefern hat sie mit Macht und Machtdiskursen zu tun? Worin besteht die Verantwortung des Philosophen als Zeuge seiner Zeit und inwiefern kann er sich dieser entziehen? Wie werden Mythen und Ausschlüsse durch Interpretationen produziert und wie soll man damit umgehen? Inwiefern kann die hermeneutische Phänomenologie als Vermittlerin in Konfliktsituationen fungieren? Welche Spannungen oder/und Verbindungen gibt es zwischen den Perspektiven der Phänomenologie und den Ansätzen der Diskursethik, der multikulturellen Philosophie, der post-kolonialen Forschung, der Philosophie der Befreiung, des Feminismus und des Postmodernismus?
Diese Fragen sollen an einer internationalen Konferenz, die an der Universität Sofia vom 23. bis 25. September 2004 stattfinden wird erörtert werden und die Ergebnisse in Form eines Sammelbandes auf Deutsch erscheinen.